Die Krise in der Rentenversicherung sei dramatisch. „Menschen des Jahrgangs 1970 erhalten beim Eintritt in die Rente nicht einmal das ausbezahlt, was sie einbezahlt haben”, sagte Edmund Stoiber, designierter Wirtschaftsminister, auf dem Deutschlandtag der Jungen Union.Damit wird die Diskussion um die Rentabilität der gesetzlichen Rentenversicherung neu entfacht. Bereits vor einiger Zeit hatten Berechnungen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) eine Nullrendite für die Geburtsjahrgänge ab 1980 unterstellt (VersicherungsJournal 30.1.2001).Unterschiede bei der Rendite-Betrachtung Dabei wurde jedoch ein Beitragssatz von durchschnittlich 27 Prozent unterstellt und die Inflationsrate abgezogen, weist Ulrich Stolz von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) auf die Unterschiede hin. Zudem blieb unberücksichtigt, dass 20 Prozent des Beitrages für andere Leistungen als die Altersrente ausgegeben werden.In einer eigenen Untersuchung der BfA hatte Versicherungsmathematiker Stolz zusammen mit seiner Kollegin und Aktuarin Sabine Ohsmann die Prognose abgegeben, dass die Rendite in der gesetzlichen Renten-Versicherung zwar tendenziell sinke, aber auch für Neurentner ab 2030 voraussichtlich noch über 3,0 Prozent betrage (VersicherungsJournal 13.10.2004).BfA hofft langfristig auf 3,0 Prozent Schwachpunkt der BfA-Zahlen: Es wurden 45 Jahre Beitragsjahre unterstellt, in denen der Versicherte stets zu den Durchschnitts-Verdienern gehörte (VersicherungsJournal 23.7.2004). Auf solch ungebrochene Erwerbsbiografien dürften die Deutschen künftig immer seltener kommen. Der methodische Ansatz der BfA: Beitrags- und daraus resultierende Renten-Zahlungen erfolgen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Ein direkter Vergleich der nominalen Beträge sei daher nicht angebracht. Um sie vergleichen zu können, müssen sie aufgezinst (Beitrag) bzw. abgezinst (Rente) werden. Bislang 4,0 Prozent interne RenditeSo wurde die interne Rendite bestimmt. Das heißt: Jener Zinssatz wurde berechnet, für den der Barwert der eingezahlten Beiträge gleich dem Barwert der Rentenleistungen ist. Dabei wurden auf der Beitragsseite zunächst jene Bestandteile herausgerechnet, die nicht zur Altersrente zählen, etwa Rehabilitation, Witwenrente und Erwerbsminderungs-Rente. Unterm Strich werden rund 80 Prozent der Beiträge für die Altersrente verwendet. Dabei sei der Bundeszuschuss unberücksichtigt, Arbeitgeber-Anteile aber mitgerechnet. Auf der Leistungsseite sieht die Rechnung so aus: Auf Basis von 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst wird die Altersrente bestimmt (Beginn: am 1. Januar 2004). Dabei wird der Zuschuss der gesetzlichen Renten-Versicherung zur Krankenversicherung der Rentner (KVdR) als zusätzliche Leistung berücksichtigt. Ergebnis: rund 4,0 Prozent interne Rendite.Finanzanalytiker sieht negative RenditeVereinfachte Modell-Rechnungen der BfA (Rentenbeginn mit 65) zeigen, dass die Rendite weiter sinkt. Bereits seit der letzten Berechnung 1997 sei sie um 0,2 Prozentpunkte gesunken, so die BfA-Experten. Unterm Strich sinke die Rendite perspektivisch wohl um einen Prozentpunkt. Würde sie auf null sinken, drohte ein verfassungsrechtliches Verbot der gesetzlichen Renten-Versicherung (GRV).Die Gegenüberstellung aller Beiträge von 45 Arbeitsjahre aktiven Durchschnittverdienern (2005: 2.500 Euro pro Monat) und Renten (Lebenserwartung bis 85) zeigt jedoch, dass die GRV ein fragwürdiges Geschäft ist”, meint Finanzanalytiker Volker Looman aus Reutlingen. Die jährliche Rendite der Zahlenreihe betrage minus 1,1 Prozent, rechnete Looman kürzlich in der FAZ vor.Beispielrechnung für DurchschnittsverdienerGleichwohl schränkte der Finanzexperte ein, dass die GRV dennoch keinen Geldverlust bringe, weil neben Altersrente weitere Leistungen wie Bezüge bei Erwerbsunfähigkeit sowie Witwen- und Waisenrenten enthalten seien. Dennoch überwiege die Unsicherheit, Tendenz steigend.Durchschnittsverdiener könnten bei 2.500 Euro Bruttoeinkommen und 20 Prozent Beitragssatz zur GRV bei 45 Arbeitsjahren insgesamt 540 Raten von rund 500 Euro an die Rentenkasse überweisen. Als Rentner kämen dann 240 monatliche Raten zurück (bei Tod mit 85). Looman rechnet dabei mit 43 Prozent des letzten Einkommens (fast 1.100 Euro), von denen jedoch noch Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung abgingen. Blieben rund 800 Euro pro Monat.Änderungen durch Alterseinkünfte-Gesetz Wenn die Einzahlungen mit 1,0 Prozent verzinst würden, müssten jedem Rentner aber nicht nur 800 Euro pro Monat zufließen, sondern fast das Doppelt (knapp 1.600 Euro). Darin liege die Dramatik des „Frondienstes”, dem Arbeiter und Angestellte nicht entrinnen könnten, so Looman.Das Alterseinkünfte-Gesetz bringe weitere Änderungen – steigende Besteuerung der Renten, aber auch steigende Freistellung der Beiträge von der Einkommensteuer. Ein Durchschnittsverdiener komme mit seinen 3.000 Euro Jahresbeitrag (samt Arbeitgeber-Anteil) bereits 2005 auf etwa 25 Prozent Steuervorteil (750 Euro), hat Looman errechnet. Somit sinke die monatliche Belastung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf je rund 188 Euro.Bessere Werte für berufsständische VersorgungswerkeDadurch bestehe der Zahlungsstrom des „Anlegers” in der Beitragsphase aus 540 monatlichen Einzahlungen von je 188 Euro und in der Rentenphase von 240 Auszahlungen von je 800 Euro. „Unterm Strich bleibt ein kleiner Gewinn von 1,9 Prozent Rendite”, erklärt Looman.Deutlich besser sehe die Rechnung für Freiberufler aus, die in eines der insgesamt 81 berufsständischen Versorgungswerke einzahlen dürfen. Hier seien rund 3,3 Prozent Rendite nach Steuern zu erwarten. Bei zusätzlichen Alterseinkünften blieben netto noch 2,7 Prozent Rendite (bei 25 Prozent Steuersatz). Auch private Vorsorge weniger rentabel?In jedem Falle gibt es keine Alternative zu privater Altersvorsorge, folgert Looman. Doch künftig drohen auch bei Kapital gedeckten Alterssicherungs-Systemen sinkende Renditen durch den demografischen Wandel. Grund: Verhältnismäßig viele Rentner werden in Zukunft ihren Alterskonsum aus Ersparnissen bestreiten und damit massenhaft Kapital abziehen. Dies könnte zu deutlich niedrigerer Nachfrage am Kapitalmarkt und damit zu geringeren Renditen führen (Asset Meltdown; VersicherungsJournal 16.9.2004).
(Quelle VersicherungsJournal 26.10.2005)
Jürgen Zwilling und Ursula Zwilling
- Versicherungsmakler-
juergenzwilling@auc-zwilling.de ursulazwilling@auc-zwilling.de