11.11.2019
Halbes Schmerzensgeld nach Hundebiss

Einer von zwei Hundehaltern wurde bei einer tierischen Auseinandersetzung verletzt. Da die Schuldfrage nicht geklärt werden konnte, sind beide Halter zu gleichen Teilen für die Folgen verantwortlich. Das hat das Oberlandesgericht Karlsruhe mit Urteil vom 18. September 2019 entschieden (7 U 24/19).
Geklagt hatte eine Frau, die beim Ausführen ihres nicht angeleinten Retrievers schwer verletzt worden war. Zu dem Vorfall war es bei einer Begegnung mit einem ebenfalls nicht angeleinten Schäferhund gekommen.
Schwerwiegende Folgen
Die beiden Tierhalter hatten zwar versucht, ihre Hunde am Halsband festzuhalten. Sie konnten trotz allem nicht verhindern, dass sich die Tiere ineinander verbissen. Dabei brach sich die Klägerin die Mittelhand. Doch damit nicht genug.
Infolge der Verletzung erlitt sie am gleichen Tag eine Lungenembolie sowie einen schweren Schlaganfall. Diese Gesundheitsschäden waren nach den Feststellungen eines Sachverständigen auf den Hundebiss zurückzuführen.
Ob die Halterin des Retrievers, wie von ihr behauptet, von dem Schäferhund oder gar ihrem eigenen Tier gebissen wurde, ließ sich nicht klären. Genauso verhielt es sich mit der Frage, ob der Halter des Schäferhundes seinen Vierbeiner nicht ausreichend unter Kontrolle gehabt hatte und ihm dessen Aggressivität bekannt war.
Letzteres wurde allerdings von dem in erster Instanz mit dem Fall befassten Mannheimer Landgericht unterstellt. Dessen Richter gingen von einer alleinigen Verantwortung des Mannes aus. Sie sprachen der Verletzten ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zu.
Beiderseitige Verantwortung
Doch dem schloss sich das in Berufung mit dem Fall befasste Karlsruher Oberlandesgericht nicht an. Es gab der Klage nur zur Hälfte statt.
Nach Ansicht der Richter kommt es nicht darauf an, welcher der beiden Hunde die Geschädigte gebissen hat. Denn könne nicht geklärt werden, welcher der Hundehalter für die Rauferei ihrer Tiere verantwortlich war, so müssten sich beide zu gleichen Teilen die Tiergefahr ihres Hundes im Sinne von § 833 BGB anrechnen lassen.
Deshalb stehe der Frau nur die Hälfte des ihr vom Mannheimer Landgericht zugesprochenen Schmerzensgelds zu. Die Richter ließen eine Revision gegen ihre Entscheidung nicht zu.
(Quelle VersicherungsJournal 01.10.2019)
Jürgen Zwilling und Ursula Zwilling
- Versicherungsmakler-
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