11.01.2021
Wenn sich Pferd und Fahrrad zu nah kommen

Zur Vermeidung eines Unfalls ist beim Überholen eines Pferdes regelmäßig ein seitlicher Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten. Das hat das Landgericht München I mit Urteil vom 19. Oktober 2020 entschieden (19 O 6004/20).
Die Klägerin war im Juli 2019 mit ihrem Fahrrad auf einem Gehweg unterwegs, als sie sich im Bereich einer Unterführung von hinten einem ebenfalls den Bürgersteig nutzenden Reiter näherte.
Nachdem sie durch ein Klingelzeichen auf sich aufmerksam gemacht hatte, setzte sie zum Überholen an. Dabei geriet sie mit dem Vorderreifen ihres Velos an einen leicht erhöhten Randstein am linken Rand des Trottoirs und kam zu Fall. Bei dem Sturz zog sie sich einen Oberschenkelhalsbruch zu.
Darstellung des Vorfalls konnte nicht bewiesen werden
Für den Unfall machte die Frau den Reiter verantwortlich. Dieser habe sein Pferd während des Überholvorgangs nach links in ihre Richtung gelenkt und sie so dazu gezwungen, in Richtung des Randsteins auszuweichen. Sie verklagte ihn daher unter anderem auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 25.000 Euro.
Damit hatte die Radfahrerin jedoch keinen Erfolg. Das Münchener Landgericht wies ihre Klage als unbegründet zurück.
Nach Anhörung der Unfallbeteiligten kamen die Richter zu dem Ergebnis, dass die Klägerin ihre Darstellung des Vorfalls nicht beweisen konnte. Sie könne sich wenigstens nicht darauf berufen, dass der Reiter trotz ihres Klingeln nicht nach rechts ausgewichen war. Denn dazu sei er nicht verpflichtet gewesen.
Zu geringer Abstand
Dass der Reiter verbotswidrig den Gehweg genutzt habe, könne ihm die Fahrradfahrerin ebenfalls nicht zur Last legen. Denn sie habe den gleichen Verkehrsverstoß begangen.
Nach ihrer Schilderung müsse im Übrigen davon ausgegangen werden, dass die Klägerin bei dem Überholvorgang keinen ausreichenden Mindestabstand zu Pferd und Reiter eingehalten habe. Denn sie habe einräumen müssen, dass dieser nur 30 bis 40 Zentimeter betragen habe.
Ein solcher Abstand reiche aber unter keinen Umständen aus. Denn beim Überholen von Pferden und auch von Fahrradfahrern müsse ein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. Denn nur so könne ausreichend auf plötzliche Reaktionen des Tieres beziehungsweise auf Schlenker eines Radlers reagiert werden.
Überwiegend selbst für den Sturz verantwortlich
Vor diesem Hintergrund zeigten sich die Richter davon überzeugt, dass die Klägerin so überwiegend selbst für ihren Sturz verantwortlich war, dass dahinter ein mögliches Mitverschulden des beklagten Reiters vollständig zurücktritt.
Das Oberlandesgericht Celle hatte bereits im April 2018 entschieden, dass Kraftfahrzeuge beim Überholen von Pferden einen seitlichen Mindestabstand von 1,50 bis zwei Meter einzuhalten haben (VersicherungsJournal 23.4.2018).
(Quelle VersicherungsJournal 21.10.2020)
Jürgen Zwilling und Ursula Zwilling
- Versicherungsmakler-
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